Charlotte Charlaque und Toni Ebel
Trendsetterinnen über ihre Zeit hinaus
Ein Magazin, geschrieben und designt, von fünfzehn Personen der Klasse GsGy24-1 der Ruth-Pfau-Schule aus Leipzig im Rahmen des Leo-Trepp-Schülerpreises 2026.
Das Projekt
Seit 2021 veranstaltet die Leo-Trepp-Stiftung einen Schülerwettbewerb zu verschiedenen Themen jüdischer Geschichte, Kultur und Religion. 2026 stand der Wettbewerb unter dem Motto "Ein Volk. Viele Gesichter".
Vier der sechs ausgezeichneten Projekte kamen aus Sachsen. Einer der beiden zweiten Plätze ging an das Projekt "Charlotte Charlaque und Toni Ebel. Trendsetterinnen über ihre Zeit hinaus" der GsGy24-1 der Ruth-Pfau-Schule aus Leipzig.
Die Protagonistinnen
Charlotte Charlaque und Toni Ebel waren Vorreiterinnen und Trendsetterinnen.
Charlaque (1892-1963) wächst in Berlin in einer jüdischen Familie auf, lebt später in den USA, kehrt aber in den 1920er-Jahren nach Berlin zurück. Zwischen 1929 und 1931 lässt sich Charlotte in einigen der frühesten bekannten geschlechtsangleichenden Eingriffen am Institut für Sexualwissenschaft in Berlin behandeln.
Ebel (1881-1961) wächst ebenfalls in Berlin auf und wird Malerin. Als Hugo Otto Arno Ebel geboren, wird sie 1916 eingezogen und kämpft im Ersten Weltkrieg. 1928 erhält sie einen "Transvestitenschein", der es ihr erlaubt, auch öffentlich als Frau aufzutreten. Ihr Antrag auf Namensänderung 1929 wird jedoch abgelehnt. Zwischen 1929 und 1932 unterzieht sie sich mehreren geschlechtsangleichenden Operationen im Institut für Sexualwissenschaft.
Im Institut treffen Charlotte und Toni aufeinander und verlieben sich. Sie ziehen in eine gemeinsame Wohnung. Toni konvertiert 1933 - aus Protest gegen den Aufstieg der Nazis und aus Liebe zu Charlotte - zum Judentum. 1934 fliehen beide in die Tschechoslowakei. Im März 1942 wird Charlotte Charlaque verhaftet, kann aber durch Vermittlungen und die Hilfe eines Schweizer Diplomaten gerettet werden und gelangt nach New York. Dort schlägt sie sich als Schauspielerin durch und stirbt 1963 verarmt.
Toni Ebel bleibt allein in Prag, kehrt nach dem Krieg nach Berlin zurück und bleibt nach den Staatsgründungen im Ostteil der Stadt. Sie arbeitet als Malerin und malt vor allem Portraits und Landschaftsbilder. Sie stirbt 1961 in Berlin.
Die Broschüre
Das große Verdienst des Projekts liegt darin, zwei nur in Expert:innenkreisen bekannten Frauen neue Aufmerksamkeit zuteil werden zu lassen. Charlotte Charlaque und Toni Ebel sind ein eindrückliches Beispiel dafür, dass Diskussionen um Gender und Geschlecht, Identität und Vielfalt keineswegs neu sind, sondern schon in den 1920er-Jahren geführt und Identitäten gelebt wurden. Und sie zeigen zwei Lebenswege jüdischer Frauen in den Wirren des 20. Jahrhunderts.
GND: 1245087673
