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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Interview mit Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete der Stadt Leipzig

Die Messestadt Leipzig ist nicht nur die einwohnerstärkste Stadt in Sachsen, sondern hier finden auch von allen sächsischen Orten die meisten Veranstaltungen statt. Wir haben mit Skadi Jennicke darüber gesprochen. Die gebürtige Leipzigerin ist seit 2016 Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt Leipzig.

Portrait einer Frau mit schulterlangen Haaren und Brille, mit hellblauem Blazer lächelt in die Kamera
Dr. Skadi Jennicke, Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur der Stadt LeipzigKirsten Nijhof

Frau Bürgermeisterin, in Leipzig finden von der Anzahl her und im Vergleich zu anderen sächsischen Städten und Gemeinden die meisten Veranstaltungen im Jahr der jüdischen Kultur statt. Können Sie mögliche Gründe dafür nennen?
Sicher ist ein Grund, dass die Geschichte Leipzigs eng mit jüdischem Leben verwoben ist. Viele Jüdinnen und Juden kamen zunächst als Händler während der Messezeiten in die Stadt. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich hier durch Zuzug die sechstgrößte jüdische Gemeinde Deutschlands. Zahlreiche Familien stammten aus Osteuropa – viele von ihnen blieben in Leipzig und prägten das kulturelle und wirtschaftliche Leben der Stadt nachhaltig. Ein Beispiel ist Abram Mittelmann, der im russischen Mahiljou geboren wurde und 1904 seine Heimat infolge der politischen Umbrüche und wegen stattfindender Pogrome im Russischen Reich verließ. In Leipzig lebte er mit seiner Familie und arbeitete als Fotograf. Das Stadtgeschichtliche Museum Leipzig widmet ihm ab Juni eine beeindruckende Ausstellung. Die Leipziger jüdische Gemeinde wurde während der Shoah nahezu vollständig ausgelöscht. Umso bedeutender ist es, dass in Leipzig heute wieder eine lebendige jüdische Gemeinde gewachsen ist – die größte in Ostdeutschland außerhalb Berlins. Seit 1992 organisiert die Stadt Leipzig ein Besuchsprogramm für ehemalige jüdische Leipzigerinnen und Leipziger sowie deren Nachfahren. Bereits seit 1995 richtet die Stadt zudem die Jüdische Woche „Schalom“ aus, die sich kontinuierlich weiterentwickelt hat. In diesem Jahr beteiligen sich mehr als 70 Partner mit Programmbeiträgen. Über viele Jahre sind so tragfähige Netzwerke entstanden, die nun in das TACHELES-Jahr hineinwirken. Besonders beeindruckt mich die außergewöhnliche Bandbreite der Veranstaltungen: von großen Konzerten im Gewandhaus zu Leipzig über Produktionen an der Musikalischen Komödie bis hin zu Theateraufführungen auf den großen und kleinen Bühnen der Stadt, Konzerten und Diskussionen im Werk 2 oder dem Conne Island, Ausstellungen und Lesungen. Selten kommen so viele unterschiedliche Kulturorte und Institutionen zu einem gemeinsamen Thema zusammen. Jüdische Kultur wirkt in Leipzig integrierend und verbindend, das lässt sich im TACHELES-Jahr besonders deutlich erleben. Ein Grund dafür ist sicher auch Leipzigs Offenheit, seine Vielfalt und das starke Gefühl von Gemeinschaft, das hier gelebt wird. Dafür bin ich sehr dankbar.

Die Stadt Leipzig hat „TACHELES“ ebenfalls zum kulturellen Jahresmotto erklärt und einen eigenen Fördertopf in Höhe von 95.000 Euro ausgeschrieben. Welche Motive sprachen für dieses Engagement?
Ganz klar – unter anderem deshalb, weil wir als Stadt Leipzig tatsächlich ein wichtiger Impulsgeber für das sächsische Themenjahr waren (lacht). Vor einigen Jahren wurden in Dresden und Leipzig Diskussionen über ein jüdisches Museum in Sachsen geführt. Daraus entwickelte sich in Leipzig die Idee einer landesweiten inhaltlichen Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte und Gegenwart. Die Stadt Leipzig trat schließlich an die Staatsregierung heran, die diese Initiative aufgriff. Daraus entstand die Planung des sächsischen Themenjahres 2026. Auf diese Weise rücken auch die vielen kleineren Orte in Sachsen in den Mittelpunkt, die bisher weniger mit jüdischer Geschichte und Kultur assoziiert wurden. Natürlich möchten wir als Stadt Leipzig einen sichtbaren Beitrag zum TACHELES-Jahr leisten. Sie sprechen die ausgeschriebenen 95.000 Euro an – das ist richtig. Tatsächlich sind darüber hinaus weitere Mittel in zentrale städtische Projekte des Themenjahres geflossen, etwa in die bereits erwähnte Ausstellung zu Abram Mittelmann am Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig, die Ausstellung „Vier Wände voller Kunst. Jüdische Familien und ihre Sammlungen in Leipzig“, die ab Oktober im Museum der bildenden Künste zu sehen ist sowie in Vermittlungsprojekte der Leipziger Städtischen Bibliotheken. Mit den öffentlich ausgeschriebenen 95.000 Euro konnten zudem weitere 13 Projekte der freien Szene gefördert werden. Darüber hinaus haben zahlreiche Leipziger Kulturorte das Thema im Rahmen ihrer Jahresschwerpunkte aufgegriffen.

Können Sie uns ein paar ausgewählte Projekte nennen, die diese Förderung erhalten?
Gefördert werden unter anderem ein großes Konzert des Leipziger Synagogalchors im Leipziger Hauptbahnhof in Erinnerung an Hermann Berlinski am 27. September sowie eine Ausstellung über den Fotografen Fred Stein, die aktuell noch bis zum 31. Juli im Capa-Haus zu sehen ist.  Ebenso unterstützt werden Konzerte und Workshops der Leipziger Band Herje Mine, eine Konzertreihe im Conne Island sowie eine Filmreihe zu Klezmer in Filmen mit Gesprächen und Konzerten der Cinémathèque Leipzig e. V. Die Liste ist öffentlich einsehbar und basiert auf der Beratung einer Jury, die die schwere Aufgabe hatte,  die vielen eingereichten Vorschlägen anhand von Kriterien zu priorisieren.

Auch in Leipzig gibt es freilich Probleme mit Antisemitismus. Dieser kommt nicht allein von rechtsextremer Seite, sondern wird auch von Akteuren aus Teilen des linksextremen Spektrums ausgeübt. Gerade letztere sind in den zurückliegenden Jahren in Leipzig sehr aktiv geworden. Dabei vermengen sich häufig Israelkritik mit allgemeinem Hass auf Jüdinnen und Juden. Was kann die Stadt gegen derartige Entwicklungen tun, um jüdisches Leben zu schützen?
Es ist richtig, dass Antisemitismus auch in Leipzig ein Problem ist, das nicht nur von rechtsextremer Seite ausgeht. In den vergangenen Jahren kam es beispielsweise bei Demonstrationen immer wieder zu israelfeindlichen Parolen oder zur Verharmlosung des Hamas-Terrorismus. Wir sprechen hier von sogenannten israelbezogenen antisemitischen Vorfällen. Wo dabei strafbare Inhalte oder Handlungen vorliegen, müssen Polizei und Justiz konsequent einschreiten. Gleichzeitig treten wir diesen Entwicklungen als Stadt klar entgegen und schützen jüdisches Leben aktiv. Konkret haben wir im Rahmen der Jüdischen Woche „Schalom“ sowie des Themenjahres TACHELES gemeinsam mit den Veranstalter/-innen mehrere Sicherheitsrunden mit der Polizei durchgeführt. Dabei erleben wir die Polizei als sehr verlässlichen Partner, der Situationen behutsam einschätzt, beratend zur Seite steht und Präsenz zeigt, wo es notwendig ist. Wir sind froh, dass das TACHELES-Jahr in Leipzig bislang sehr friedlich verläuft. Gleichzeitig brauchen wir mehr Bildungsarbeit, um die Konfliktlinien im Nahen Osten zu verstehen, Codes und Formen des Antisemitismus zu erkennen sowie stärker zu vermitteln, wo die Grenze zwischen legitimer Kritik an der israelischen Regierung und antisemitischen Feindbildern verläuft. Ein umfassendes kommunales Konzept zur Antisemitismusprävention wurde im Februar 2024 vom Leipziger Stadtrat beschlossen. Seitdem gilt das Ariowitsch-Haus offiziell als Fachstelle der Stadt Leipzig für Antisemitismusfragen und Präventionsarbeit. Sowohl städtische Einrichtungen als auch interessierte Bürgerinnen und Bürger können auf die Beratung der Fachstelle zurückgreifen. Wichtig bleibt außerdem, Projekte sichtbar zu fördern, die jüdisches Leben in Leipzig zeigen – etwa Gedenkveranstaltungen oder Kulturprojekte. Und gerade in diesem Bereich hat Leipzig viel zu bieten.

Ein schönes Beispiel für aktives jüdisches Leben stellt die Jüdische Woche in Leipzig dar, die vom 21. bis 28. Juni stattfindet. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher?
Die Jüdische Woche präsentiert ein vielseitiges Programm mit mehr als 130 Veranstaltungen – darunter Konzerte, Lesungen, Filme, Ausstellungen, Zeitzeugengespräche und Theaterproduktionen. Ergänzt wird das Angebot durch interaktive Formate wie ein Escape Game oder die Tour de Tolerance. Auch englisch- und russischsprachige Veranstaltungen sowie familienfreundliche Angebote laden Besucherinnen und Besucher jeden Alters zum Mitfeiern ein. Besonders wichtig ist dabei der Dialog zwischen Generationen und kulturellen Perspektiven. Veranstaltungen wie das Konzert „Klänge der Hoffnung“ oder die Auseinandersetzung mit jüdischem Leben in der DDR zeigen, wie Erinnerungskultur lebendig vermittelt werden kann. Besonders berührend finde ich die schon erwähnte Ausstellung „Momentaufnahme. Das Fotoarchiv Mittelmann“ im Stadtgeschichtlichen Museum. Gezeigt werden Fotografien aus dem wiederentdeckten Archiv des jüdischen Fotografen Abram Mittelmann, das jahrzehntelang auf einem Leipziger Dachboden lagerte und auch nach der Entdeckung lange nicht öffentlich gezeigt werden konnte. Dank des beeindruckenden Engagements von Mittelmanns Enkelin Nadja Vergne sind diese Porträts nun öffentlich zugänglich. Die Bilder erzählen von Familien, Kindern, Vereinen und Unternehmen zwischen 1909 und 1938 und geben Menschen ein Gesicht, deren Lebenswelten durch die Shoah ausgelöscht wurden. Das Archiv ist ein wertvolles Dokument, das einen Einblick in die Zeit vermittelt, in der jüdisches Leben selbstverständlich zum Alltag der Stadt gehörte. Die Jüdische Woche wird von vielen engagierten Menschen und Institutionen getragen. Mehr als 70 Leipziger Vereine und Einrichtungen beteiligen sich am Festival und machen sichtbar, wie vielfältig jüdisches Leben in Leipzig heute ist. Ein zentraler Ort ist dabei das Ariowitsch-Haus als Kultur- und Begegnungszentrum der Jüdischen Gemeinde.

Welche Veranstaltung auf den bisherigen Jüdischen Wochen hat Sie bisher am meisten beeindruckt?
Ich erinnere mich gern an die Gottesdienste unter freiem Himmel an der Gedenkstätte „Große Synagoge“ in der Gottschedstraße sowie an das beeindruckende Konzert „Avodath Hakodesh“ von Ernest Bloch im Jahr 2019 mit über 200 Mitwirkenden, darunter der Leipziger Synagogalchor und viele weitere Ensembles, unter der Leitung von Ludwig Böhme in der Osthalle des Leipziger Hauptbahnhofs. Unglaublich! Ein weiteres Erlebnis, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist – auch jenseits der Jüdischen Woche –, ist eine Reise im Jahr 2015. Damals durfte ich – noch als Leipziger Stadträtin – an einer Delegationsreise nach Israel teilnehmen, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Wir besuchten unter anderem Gedenkorte wie Yad Vashem und nahmen an kulturellen Programmen in Tel Aviv und Herzliya, Leipzigs Partnerstadt, teil. Mit dabei waren auch der Thomanerchor Leipzig und das Gewandhausorchester Leipzig, die Konzerte vor Ort spielten. Das sind sehr bewegende Erinnerungen, gerade vor dem Hintergrund, dass eine solche Reise unter den heutigen Bedingungen vor Ort schwer vorstellbar erscheint. Das berührt und betrübt mich zugleich.

Sie haben Dramaturgie an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ studiert, die nach ihrem jüdischstämmigen Gründer benannt worden ist. Bis in die 1930er Jahre wurden dort auch viele jüdische Komponisten ausgebildet. Haben Sie von diesem jüdischen Erbe etwas in Ihrem Studium mitbekommen?
In dieser Deutlichkeit war mir das während meines Studiums ehrlich gesagt noch nicht präsent. Erst später habe ich begonnen, mich intensiver mit der jüdischen Musikgeschichte Leipzigs auseinanderzusetzen – etwa über Persönlichkeiten wie Hermann Berlinski, der am Leipziger Konservatorium ausgebildet wurde und 1933 emigrieren musste. Seine Biografie zeigt, wie eng jüdisches Leben mit der Leipziger Musiktradition verbunden war – und wie brutal diese Kontinuitäten durch den Nationalsozialismus zerstört wurden. Ihm widmet der Leipziger Synagogalchor am 27. September ein großes Konzert im Leipziger Hauptbahnhof. Darauf bin ich sehr gespannt. Diese Auseinandersetzung hat bei mir auch den Blick auf die Geschichte der Hochschule selbst geschärft. In der Ausstellung „Hakenkreuz und Notenschlüssel. Die Musikstadt Leipzig im Nationalsozialismus“ des Stadtgeschichtlichen Museums Leipzig im Jahr 2023 wurde thematisiert, dass auch das damalige Landeskonservatorium der Musik – ab 1941 Staatliche Hochschule für Musik – kein ideologiefreier Ort war. Ich hätte mir gewünscht, dass dieses Kapitel bereits im Studium stärker behandelt worden wäre. Ich glaube, dass wir auch heute noch zu wenig darüber wissen.

Leipzig wurde als Außenstelle Standort für das erste internationale Yad-Vashem-Bildungszentrum mit Hauptsitz in München ausgewählt. Was erhoffen Sie sich mit dieser Entscheidung für die Stadt?
Erst vergangene Woche wurde die Entscheidung öffentlich: Ich freue mich außerordentlich, dass das Ariowitsch-Haus in Leipzig neben München als weiterer Standort für eine Außenstelle von Yad Vashem ausgewählt wurde und gratuliere dem Haus von Herzen. Diese Entscheidung ist ein starkes Signal internationaler Verantwortung und lebendiger Erinnerungskultur. Zugleich würdigt sie Leipzig als einen Ort, an dem bereits heute auf vielfältige Weise herausragende Bildungs- und Erinnerungsarbeit zur jüdischen Geschichte und Kultur geleistet wird.
Dabei denke ich insbesondere an das Ariowitsch-Haus selbst, das mit seinem langjährigen Engagement eine tragende Rolle für das künftige Bildungszentrum übernehmen wird. Aber auch zahlreiche weitere Institutionen prägen die Leipziger Erinnerungslandschaft seit Jahren maßgeblich: das Simon-Dubnow-Institut, das Else-Frenkel-Brunswik-Institut, die Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig, das Erich-Zeigner-Haus, die Leipziger Notenspur, die AG Stolpersteine Leipzig, der Hentrich & Hentrich Verlag mit Nora Pester. Sie alle leisten wertvolle Beiträge zur historisch-politischen Bildung, zur Demokratiearbeit und zur Auseinandersetzung mit Antisemitismus. Diese gewachsene und vielfältige Infrastruktur schafft beste Voraussetzungen dafür, dass das neue Bildungsangebot weit über Leipzig hinaus bundesweit Wirkung entfalten kann.
Dass das Yad-Vashem-Bildungszentrum zugleich in Ostdeutschland verankert wird, besitzt eine besondere Symbolkraft. Leipzig steht wie kaum eine andere Stadt für die Erfahrung zweier Diktaturen ebenso wie für den demokratischen Aufbruch des Jahres 1989. Daraus ergeben sich wichtige Anknüpfungspunkte für eine zeitgemäße Erinnerungsarbeit, die historische Verantwortung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen verbindet. Hinzu kommt die geografische Nähe zu den Orten nationalsozialistischer Verbrechen in Polen und der Tschechischen Republik. Gerade diese Lage eröffnet besondere Chancen für internationale Begegnungen, Bildungsreisen und grenzüberschreitende Kooperationen.
Ursprünglich hatten wir in Sachsen über die Einrichtung eines jüdischen Museums diskutiert. Daraus entwickelte sich schließlich das landesweite Themenjahr TACHELES. Dass nun – weit über dieses Themenjahr hinaus – in Leipzig ein neues internationales Bildungsangebot zur jüdischen Geschichte, zur Shoah und zur Prävention von Antisemitismus entsteht und zugleich das Ariowitsch-Haus nachhaltig gestärkt wird, ist eine außerordentlich erfreuliche Entwicklung. Das erfüllt mich mit Dankbarkeit und auch mit Stolz.
Mein herzlicher Dank gilt allen, die dieses anspruchsvolle Auswahlverfahren mit großem Einsatz begleitet, unterstützt und vorangebracht haben. Ich freue mich auf eine erfolgreiche israelisch-bayerisch-sächsische Zusammenarbeit und auf die Impulse, die von Leipzig künftig für die Erinnerungs- und Bildungsarbeit ausgehen werden.

Was ist Ihr liebstes jiddisches Wort?
Ich mag den Klang von Wörtern wie Chuzpe, Mischpoke oder Tohuwabohu. Im Deutschen wirken sie wie kleine Aufmerksamkeitsinseln – sie lassen uns kurz innehalten und genauer hinhören. Besonders aber mag ich den Begriff „TACHELES“. Für mich steht er dafür, offen und klar zu sprechen: ohne Ausweichen, ohne Beschönigung. Ich glaube, dass es gerade jetzt unsere Verantwortung ist, Haltung zu zeigen und die Werte einer offenen, demokratischen Gesellschaft zu verteidigen. Es steht zu viel auf dem Spiel, als dass man sich wegducken oder schweigen dürfte. Das bewegt mich in meiner täglichen Arbeit als Kulturbürgermeisterin und Mensch. Und ich möchte alle ermutigen, das auch im eigenen Wirkungsfeld zu tun: TACHELES zu reden.