Direkt zum Inhalt
Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

TACHELES 2026 – Halbjahresbilanz und Ausblick

Die Hälfte des sächsischen Themenjahres ist bereits absolviert. Mit bisher 620 durchgeführten Veranstaltungen wurde die Erwartungen der Organisatoren bereits deutlich übertroffen.

Die Eröffnungspressekonferenz mit den Projektverantwortlichen am 11. Dezember 2025. V.l.n.r.: Küf Kaufmann, Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde in Leipzig, Prof. Dr. Manuel Frey, Stiftungsdirektor der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, Ringo Müller, Erbauer der erzgebirgischen Chanukkia, Markus Weber, Gestalter der erzgebirgischen Chanukkia, Alexander Dierks, Präsident des Sächsischen Landtages, Barbara Klepsch, Staatministerin für Kultur und Tourismus, Sabine Wolfram, Direktorin des smac, vor dem erzgebirgischen Chanukka-Leuchter.smac/ Annelie Blasko

Zur Halbzeit von Tacheles 2026 – dem Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen ziehen die Organisatoren eine sehr positive Bilanz. Seit dem 14. Dezember 2025 läuft das sächsische Themenjahr, das von Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landesrabbiner Zsolt Balla eröffnet wurde. Wurden bei der Eröffnung noch 365 Veranstaltungen im Themenjahr als Ziel benannt, übertreffen die bisherigen Veranstaltungszahlen diese Erwartungen bei weitem.

620 Programmpunkte waren im Rahmen des Themenjahres bereits zu erleben. Jede Woche finden mindestens 25 Veranstaltungen im gesamten Freistaat statt. Die im März angepeilte Zahl von 1.000 Veranstaltungen bis zum Ende am 12. Dezember 2026 ist somit in Reichweite. Das große Programmspektrum zeigt die unterschiedlichen Veranstaltungsformate des Themenjahres: Ob Jazzkonzerte im Dresdner Kulturpalast, Operettenabende in Annaberg-Buchholz, eine Ausstellung im Bach-Museum Leipzig, Vorträge zur Rolle des Judentums in der Popkultur, ein Frühjahrsfest in Bad Lausick, eine Ausstellungsreihe über Jüdinnen und Juden in Chemnitz von vier dortigen Museen oder eine Vortragsreihe über einstige jüdische Familien in Görlitz.

Tacheles 2026 ist im gesamten Freistaat präsent: In rund 85 Städten und Gemeinden fanden oder finden Veranstaltungen statt. Die meisten davon in den großen Städten Leipzig Dresden und Chemnitz, doch auch in Wurzen, Görlitz, Meißen, Freiberg und Oederan gibt es jeweils umfangreiche Programme, um nur einige Orte zu nennen.

Die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus Barbara Klepsch zeigt sich beeindruckt von der bisherigen Resonanz auf das Themenjahr: „Tacheles 2026 macht sichtbar, wie vielfältig, engagiert und lebendig die Kulturlandschaft in Sachsen ist. Ich danke den mehr als 250 Kulturakteuren aus allen Regionen des Freistaates, die sich mit großer Kreativität und persönlichem Einsatz einbringen. Sie schaffen Räume für Begegnung, Erinnerung und Austausch und zeigen, dass jüdische Geschichte und Kultur Teil unserer Vergangenheit sind, unsere Gegenwart prägen und gleichzeitig wichtige Impulse für die Zukunft setzen. Ebenfalls danke ich dem Projektteam von Tacheles 2026, das dieses Themenjahr mit großem Engagement vorbereitet hat und begleitet. Die beeindruckende Halbjahresbilanz zeigt, was möglich wird, wenn Kulturakteure im ganzen Freistaat gemeinsam an einem Ziel arbeiten.“

Der Sächsische Staatsminister für Kultus Conrad Clemens hebt den hohen Anteil von Bildungsangeboten hervor, die rund ein Fünftel der Programmpunkte ausmachen: „Tacheles 2026 macht jüdisches Leben in seiner reichen Vielfalt erlebbar. Dadurch werden Vorurteile abgebaut und die Basis für Verständnis und Empathie gelegt. Ein Highlight der zweiten Jahreshälfte sind die Workshops zum Laubhüttenfest Sukkot, das kurz nach dem 100. Jubiläumstag der Gründung des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden stattfindet. Beim gemeinsamen Essen, Trinken und Laubhütten bauen entdecken Kinder und Erwachsene die Bedeutung jüdischer Bräuche und Traditionen. Yad Vashem hätte sich kaum einen besseren Zeitpunkt aussuchen können, um die Einrichtung einer Außenstelle der Holocaustgedenkstätte in Leipzig zu verkünden. Diese Entscheidung, der wir uns mit Verantwortung stellen, wird die Bildungsarbeit im Freistaat über das Jahr der jüdischen Kultur hinaus stärken.“

Neben Kultureinrichtungen wie Theater, Museen, Philharmonien, Galerien und Clubs beteiligen sich auch Vereine, Religionsgemeinschaften, Bibliotheken, Forschungsinstitutionen und zivilgesellschaftliche Akteure am Themenjahr.

Dr. Sabine Wolfram, die Projektverantwortliche und Direktorin des smac, sieht in der Struktur von Tacheles 2026 einen Grund für die vielen Akteure: „Die Schwelle, sich an Tacheles 2026 zu beteiligen, ist bewusst niedrig gehalten. Wenn ein Akteur einen Programmpunkt mit einem jüdischen Bezug und/oder einer jüdischen Person durchführt und das Angebot auf die Homepage tacheles.sachsen.de hochlädt, ist er Teil des Themenjahres. Dadurch kommen wir aktuell auf 250 Akteure, die sich an Tacheles 2026 beteiligen.

Als Motto des Themenjahres wurde bewusst der aus dem Jiddischen stammenden Begriff „Tacheles“ ausgewählt, der für „Klartext reden“, „etwas zur Sprache bringen“ steht. Alexander Dierks, Präsident des Sächsischen Landtages und einer der beiden Kuratoriumsvorsitzenden des Themenjahres, sieht hier eine große Chance für die Zukunft: „Die Zahl von über 600 Veranstaltungen ist großartig. Sie steht für über 600 Gelegenheiten, bei denen Räume zum Austausch und zum Kennenlernen jüdischer Kultur geschaffen wurden, bei denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen und neue Perspektiven entdecken konnten. Es ist wichtig, dass solche Diskursräume durch die Kultur angeboten werden. So können wir auf konstruktive Weise Meinungen austauschen und unseren Horizont erweitern. Kultur schafft damit Voraussetzungen für gegenseitiges Verständnis und gesellschaftlichen Zusammenhalt – und damit für das, was eine lebendige Demokratie stark macht.“

Für die jüdischen Gemeinden in Sachsen bedeutet das Themenjahr gleichfalls viele Veranstaltungen und Begegnungen. Küf Kaufmann, der Vorsitzende der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig und künstlerische Berater von Tacheles 2026, dazu: „Aus meiner Sicht liegt der größte Erfolg des Jahres der jüdischen Kultur in Sachsen darin, dass das Thema der jüdischen Kultur eindrucksvoll und bedeutungsvoll auf die große sächsische Bühne gebracht wurde.  Die jüdischen Gemeinden haben dabei deutlich gespürt, dass sie sich nicht in isolierter kultureller und religiöser Einsamkeit befinden, sondern ein bedeutender und unverzichtbarer Teil der sächsischen Kultur insgesamt sind."

Ebenso in die Zukunft blickt Prof. Dr. Manuel Frey. Der Stiftungsdirektor und sein Team von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen fördern viele der im Themenjahr durchgeführten Projekte. Um kurzfristig geplante Vorhaben im laufenden Jahr umsetzen zu können, schrieb die Kulturstiftung ein zusätzliches Förderprogramm für Kleinprojekte im jüdischen Kontext aus. Prof. Dr. Frey beschreibt die Reichweite des Programms: „Die starke Resonanz auf die Kleinprojekteförderung zeigt, wie groß das Interesse ist, jüdisches Leben und jüdische Kultur kennenzulernen. Durch das zusätzliche Förderangebot konnten zahlreiche weitere Projekte unterstützt werden, insbesondere in den ländlichen Regionen Sachsens.“ Zu den geförderten Vorhaben gehören u.a. der Escape Room „Fixing the Boat“ im Neuberinhaus Reichenbach, der am 23. Juli startet, und das Konzert der Band Harts un Neschome am 28. Juli im Freibad Ostritz. Auch der „Jüdische Salon der Gegenwart“ des Ensemble Youkali im Dresdner Lingerschloss am 24. Juni mit zahlreichen spannenden Gästen zeigt, wie vielfältig die geförderten Projekte sind.