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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Areal des ehem. "Judenlager Hellerberg" schützen und gestalten

Offener Brief aus der Dresdner Zivilgesellschaft fordert ein Umdenken in der Gestaltung des Areals

Markierung als Ort der Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts an der Friedhofsmauer am St.-Pauli-Friedhof im Rahmen von MNEMOLandeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz

Am 30. Juni wurde ein Offener Brief zur Gestaltung des Geländes des ehemaligen "Judenlager Hellerberg" und der "Entbindungslagers Kiesgrube" veröffentlicht, den wir gern teilen. Direkt neben dem Areal sollen ein LWK-Parkplatz sowie ein Umspannwerk entstehen, die der Würde des Ortes nicht gerecht werden.

Unterschriften und Unterstützungsbekundungen können an Johannes Lichdi unter johannes.lichdi@notraces.net gesandt werden.

Offener Brief

Dresden, 30.06.2026

Offener Brief: Standortentscheidung für LKW-Parkplatz und Umspannwerk am Gedenkort „Judenlager Hellerberg“ überdenken!

Sehr geehrte Dresdnerinnen und Dresdner,

wir wenden uns an Sie, weil ein schwerwiegender Vorgang noch nicht die Aufmerksamkeit erhalten hat, die nötig ist.

Mit Bestürzung nehmen wir den Beschluss des Stadtrats vom 4. Juni 2026 zur Kenntnis, den Oberbürgermeister zu beauftragen, eine städtische Fläche zwischen Hammerweg und Stauffenbergallee an die SachsenNetze GmbH zu verkaufen. Die Fläche befindet sich nur 45 Meter von den Haftbaracken des ehemaligen "Judenlagers Hellerberg" entfernt. Hier soll vorübergehend ein "LKW-Vorstauplatz" für den Zollhof sowie dauerhaft ein Umspannwerk der SachsenNetze GmbH errichtet werden.

Im "Judenlager Hellerberg" inhaftierten die nationalsozialistischen Behörden ab November 1942 etwa 300 Dresdner Bürgerinnen und Bürger, die als Jüdinnen und Juden rassistisch verfolgt wurden, bevor sie im März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden. Nur 10 Menschen überlebten. Ab Mai 1943 befand sich dort das sog. "Entbindungslager Kiesgrube" für schwangere Zwangsarbeiterinnen aus Polen und der Sowjetunion, wo sie ihre Säuglinge gebären und zurücklassen mussten. Mindestens 225 Kinder wurden dort durch vorsätzliche Vernachlässigung qualvoll ermordet. An ihren Gräbern ist seit 2015 im St.-Pauli-Friedhof ein würdiger Erinnerungsort entstanden.

Der Ort ist durch die stark befahrenen Radeburger Straße und Stauffenbergallee sowie die Gewerbeanlagen nördlich der Stauffenbergallee bereits hoch belastet. Die Stadt hat seit 2014 Grundstücke angekauft. Die Aufgabe der Kleingartenanlage westlich des Hammerwegs böte die Chance, den Ort weiter zu beruhigen. Das Landesamt für Archäologie hat den Ort als Bodendenkmal ausgewiesen. Der Ort ist Teil des Projekts „MNEMO“ (Gedenkareal Dresdner Norden). Ein Ideenwettbewerb von 2022 sieht die Kennzeichnung und Begehbarmachung vor.

Bisher steht nur an der ehemaligen Einfahrt zum Lager ein blauer Gedenksplitter als Stele am Hang der Radeburger Straße - ohne jede Wegeanbindung. Der Ort der Haftbaracken ist lediglich durch einen roten Pfahl gekennzeichnet. Der Gedenkort ist für Besucherinnen und Besucher weder erreichbar noch in seiner Bedeutung nachvollziehbar. Wir halten diese Vernachlässigung für einen unhaltbaren Zustand!

Wir bitten die Dresdner Stadtgesellschaft, diesen lange verschwiegenen und vernachlässigten Ort als würdigen Gedenk- und Erinnerungsort zu gestalten und ein angemessenes Umfeld zu gewährleisten. Ein großflächig asphaltierter LKW-Parkplatz mit seinen zu erwartenden Emissionen und Verschmutzungen sowie ein Umspannwerk mit seinen auffälligen Bauten unmittelbar neben dem Ort der Haftbaracken ist das sicher nicht.

Wir bitten die SachsenNetze GmbH ernsthaft zu prüfen, ob nicht andere Standorte für ein Umspannwerk in Betracht kommen. Wir bitten den Oberbürgermeister und die Verwaltung, weiter an der Entwicklung des Gedenkorts und eines würdigen Umfelds zu arbeiten und dabei die Öffentlichkeit einzubeziehen. Wir fordern den Stadtrat auf, seinen Beschluss vom 4. Juni aufzuheben und die Fläche am Hammerweg als grüne Ausgleichsfläche zu bewahren.

Hildegart Stellmacher, Bettina Bruschke und Johannes Lichdi