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Logo "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026". Links ist eine halbe Menorah in blauen Farbtönen zu sehen.

Erinnerungskultur bewahren und stärken

Vorfälle in Sachsen

Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnisgemeinfrei

Das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus ist ein essentieller Bestandteil der deutschen Demokratie der Nachkriegszeit. Doch seit Jahren wird dieser über Parteigrenzen hinweg getragene Konsens immer offener infrage gestellt und angegriffen. Drei Meldungen in dieser Woche aus Sachsen stehen sinnbildlich dafür.

Heidenau

Am 24. September beschloss der Stadtrat in Heidenau, keine neuen Stolpersteine mehr verlegen zu wollen. Stattdessen solle auf dem Nordfriedhof der Stadt eine „Gedenkfläche für die Opfer von Krieg, Terror, Diktaturen, Vertreibung und insbesondere des Nationalsozialismus“ geschaffen werden. Die Abkehr vom Format der Stolpersteine wird mit der Haltung der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, begründet. Während es für die Diskussion über Stolpersteine als würdiges Format valide Punkte gibt, darf der Bezug auf Charlotte Knoblochs Haltung nicht über den Kern der Entscheidung in Heidenau hinwegtäuschen. Die Schaffung einer Gedenkfläche für alle Opfer von Krieg und Diktaturen würde die Opfer des Nationalsozialismus mit den Verfolgten in der DDR und zudem zivilen deutschen Opfern sowie den Vertriebenen gleichsetzen. Das käme einer erinnerungspolitischen Rückkehr in die 1950er-Jahre gleich. Zudem folgt die Entscheidung zentralen Punkten der Geschichtspolitik der AfD, die versucht, die Verantwortung für die NS-Verbrechen durch Verweise auf zivile Opfer und DDR-Unrecht zu relativieren.

Dagegen wird seit geraumer Zeit von Gedenkstätten und Historiker:innen energisch protestiert. Auch die Bundesregierung ist in ihrer Haltung dazu klar. In der 2025 neubeschlossenen Konzeption des Bundes für die Gedenkstätten zur Aufarbeitung der NS-Terrorherrschaft und der SED-Diktatur wird erneut die als „Faulenbach-Formel“ bekannte Forderung bekräftigt, weder die NS-Verbrechen mit Blick auf die SED-Diktatur zu relativieren oder gar zu leugnen, noch das „von der SED-Diktatur verübte Unrecht“ zu bagatellisieren. Diesen Konsens gilt es zu verteidigen und zu bewahren.

Eine Vereinheitlichung von Opfern von Diktatur und Gewaltherrschaft ist keine städtische Angelegenheit, sondern zielt auf den Wesenskern der freiheitlich demokratischen Grundordnung, die vor dem Hintergrund der Erfahrungen des Nationalsozialismus geschaffen wurde.

Chemnitz

Seit Jahren nehmen zudem die Angriffe auf Gedenkstätten zu. Gestern informierte der Lern- und Gedenkort Kaßberg-Gefängnis in Chemnitz, dass im „gesamten Ausstellungsbereich zur NS-Diktatur (...) Manipulationsversuche“ erkennbar wurden und zudem ein Exponat – ein zur Zwangskennzeichnung eingesetzter „Judenstern“ des Überlebenden Ernst Sander – gestohlen wurde. Diesen Angriff verurteilen wir scharf und teilen den Aufruf der Gedenkstätte, sachdienliche Hinweise der Polizei zu melden.

Dresden

Weiterhin teilen wir den Aufruf des Beirates der Stiftung Sächsische Gedenkstätten, der vor dem Hintergrund der laufenden Verhandlungen zum Doppelhaushalt 2027/28 eindringlich eine „ausgewogene und transparente Finanzierung aller Gedenkstätten und Aufarbeitungseinrichtungen“ forderte, „um geeignete Angebote zur Bildung, Vermittlung und Entwicklung einer vielstimmigen Erinnerungskultur zu erhalten und zu fördern.“ Auch das Entwicklungskonzept der Stiftung wäre durch die faktische Kürzung der Gelder gefährdet.

Das Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026 steht mit seinem Titel Tacheles für eine klare Benennung strittiger Punkte, für offenen Meinungsaustausch und Intervention an angemessener Stelle. Jüdische Kultur in Sachsen reduziert sich nicht auf geschichtskulturelle Arbeit zur Zeit des Nationalsozialismus. Das Kernverbrechen der Shoah aber bleibt für das Team eine zentrale Konstante, die uns in unserer Arbeit bestärkt, jüdisches Leben zu schützen und jüdische Kultur zu fördern. Angriffen wie in der Kaßberg-Gedenkstätte und geschichtspolitischem Revisionismus wie in Heidenau widersprechen wir entschieden.