Vier Wände voller Kunst
Jüdische Familien und ihre Sammlungen in Leipzig. Vernissage
Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK)
Katharinenstraße 10
04109 Leipzig
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Leipzig eine wirtschaftlich und kulturell prosperierende Metropole und jüdische Familien waren wichtige Akteurinnen im kulturellen Leben der Stadt – bis sie durch die Gräuel und Verbrechen des Nationalsozialismus nahezu in Vergessenheit gerieten. Ihnen und ihrem vergessenen Engagement ist das MdbK seit über zwei Jahren intensiv nachgegangen und würdigt nun erstmals den herausragenden Beitrag jüdischer Familien für die bildende Kunst in Leipzig in einer Ausstellung.
Zur Ausstellung
Mit Gründung der Israelitischen Religionsgemeinde 1847 wuchs Leipzigs jüdische Bevölkerung stetig, bis sie 1925 mehr als 13.000 Menschen umfasste. Damit stellte Leipzig die sechstgrößte jüdische Gemeinde in Deutschland. Eine ausgeprägte Sammelkultur führte zu umfangreichen und qualitätvollen Privatsammlungen und durch großzügiges Mäzenatentum förderten die jüdischen Familien Künstler*innen und Museen der Stadt. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden die Mitglieder der jüdischen Familien ebenso wie diejenigen, die nach den antisemitischen Gesetzen als jüdisch kategorisiert waren, entrechtet, verfolgt, ausgeraubt, vertrieben und ermordet. Die Ausstellung möchte für diesen immensen und irreversiblen Verlust sensibilisieren, die die nationalsozialistische, rechtsextreme Radikalisierung der Politik für das Leipziger Kulturleben verursacht hat.
Vier Wände voller Kunst präsentiert Gemälde, Skulpturen und Arbeiten auf Papier aus den Privatsammlungen von elf jüdischen Familien aus Leipzig: Erna und Wilhelm Breslauer, Toni und Hermann Halberstam, Franziska und Max Heilpern, Margarete und Max Hermann Heine, Martha und Henri Hinrichsen, Clara (Cläre) und Gustav Kirstein, Moritz Kraemer, Karl Lilienfeld, Marie und Friedrich Nachod, Laura (Lore) und Carl Sonntag sowie die Brüder Moritz und Julius Ury. Die Biografien der Familien sind eng mit der Geschichte des MdbK verwoben.
Ihre Sammlungen umfassen Kunstwerke des Französischen und Deutschen Impressionismus, der Klassischen Moderne sowie von weiteren herausragenden Vertreter*innen der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts. Stilistisch spiegeln die Sammlungen damit das Spektrum einer bürgerlichen Kultur wider. Gleichzeitig förderten die Sammler*innen Künstler*innen und waren mit ihnen und untereinander freundschaftlich, zum Teil familiär verbunden. Gemeinsam engagierten sie sich aktiv in Vereinen und Clubs für Kultur und bildeten eine eng vernetzte Interessensgemeinschaft.
Die Ausstellung geht den Themenkomplexen Kunstrezeption, Kunstmarkt und Kunstpatronage entlang der individuellen Biografien nach und macht die vielschichtigen Verflechtungen anschaulich. Historische Fotos, Publikationen und Archivalien erzählen ergänzend zu den Kunstwerken vom Leben der Familien und ihrer Mitglieder.
Die Ausstellung wird von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Friede Springer Stiftung, der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung und der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen gefördert. Eine Kooperation mit "Tacheles - Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026".
Vier Wände voller Kunst – Das Programm für Bildungseinrichtungen finden Sie hier.
In den Herbstferien bietet das MdbK in Kooperation mit Dagesh on Tour – Jüdische Kunst im Kontext und dem Ariowitsch-Haus e.V. ein kostenloses Ferienprogramm für Kinder zwischen 8 und 18 Jahren an. Alle Termine und Themen finde Sie hier.
Parallel dazu zeigt das Bucerius Kunst Forum in Hamburg die Ausstellung Von Monet bis Picasso. Jüdische Kunstsammler:innen in Deutschland vom 11.09.2026–29.03.2027.
Barrierefreiheit auf der Veranstaltung
Über den Veranstalter
Das Museum der bildenden Künste Leipzig (MdbK) zählt zu den größten kommunalen Kunstmuseen Deutschlands. Es wurde 1848 durch bürgerschaftliches Engagement gegründet. Seine Sammlung umfasst Werke vorwiegend europäischer Kunstgeschichte aus acht Jahrhunderten: darunter über 5.000 Fotografien und Medienarbeiten, rund 4.600 Gemälde, über 70.000 Arbeiten auf Papier sowie circa 1.800 Skulpturen, Plastiken und Installationen.Das MdbK ist ein authentischer Ort für sinnliche Erfahrungen. Kunstwerke fördern Diskurse, Interaktionen und Bildung. Mit seiner offenen Architektur und der eintrittsfrei zugänglichen Dauerausstellung bietet das Museum einer vielfältigen Gesellschaft Voraussetzungen, um einander zu begegnen, sich Zeit zu nehmen und (neues) Wissen zu teilen. Partizipative Angebote, Veranstaltungen und Ausstellungen sind Grundlagen der zur Teilhabe einladenden Institution. Das MdbK positioniert sich als ein inklusives, barrierearmes und diskriminierungskritisches Museum.


